(NZZ vom 27. März 2026, S. 18)
Leider hat man es bei der Mitte und bei der FDP verpasst, einen moderaten Gegenvorschlag zur Neutralitätsinitiative zu unterstützen. Nun kommt es zu einer Entscheidung, bei der man nur Ja oder Nein stimmen kann. Ein Nein wird aber international leider höchst wahrscheinlich als Verabschiedung von der Neutralität gedeutet.
Dass Neutralität bis heute – und heute erst recht – international auf Glaubwürdigkeit beruht, leuchtet einer grossen Zahl von Schweizerinnen und Schweizern immer noch ein. Diese Glaubwürdigkeit kommt aber ins Wanken, wenn sie intern von selbsternannten Eliten oder gar von der politischen Führung immer wieder als nicht mehr prioritär und – früher oder später – als obsolet bezeichnet wird. Diese Versuche einer Relativierung und schrittweisen Aufhebung sind nicht neu, aber sie untergraben die internationale Glaubwürdigkeit und Berechenbarkeit der Schweiz. Kein Land kann von Fall zu Fall «ein bisschen neutral sein».
Ein über Generationen aussenpolitisch verfolgtes Prinzip sollte intern nicht «à la carte» durch verwirrende Adjektive bis zur Unkenntlichkeit relativiert werden. Im Falle eines «Nein» ist es ganz wichtig, dass die vielen Meinungen gut dokumentiert sind, die bezeugen: «Wir sind auch für Neutralität, wollten einfach etwas mehr Flexibilität».
Wir müssen uns als Befürworter einer bewaffneten Neutralität nicht entschuldigen. Wenn weltweit alle Länder nur ihre Eigenständigkeit konsequent – auch militärisch – verteidigen und niemanden angreifen würden, wäre dies ein entscheidender Schritt zum Weltfrieden. Wir sind Pioniere und nicht Trittbrettfahrer.
Robert Nef, St. Gallen