Schutzpatrone der Freiheit

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(Weltwoche)

Das Christentum ist für Liberale eine Quelle der Inspiration. Beste Beispiele sind Eva, Nepomuk und Laurentius.

An erster Stelle figuriert die Menschheitsmutter Eva. Eva heisst wörtlich übersetzt «das Leben». Eva hat den Unterschied zwischen «Gut und Böse» erkennen wollen und darum, auf Anstiftung der Schlange, den verbotenen Apfel vom Baum der Erkenntnis gepflückt, angebissen und an Adam weitergereicht. Das wird als Sündenfall bezeichnet, ist aber auch der Ursprung der menschlichen Freiheit und Verantwortung.

Wer nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, ist nicht frei. Das Herausnehmen dieser Freiheit hat Adam und Eva zwar den Aufenthalt im Paradies gekostet, aber im Paradies war eh nichts los, und es wäre dort auf die Dauer langweilig geworden. Wo nichts knapp ist, gibt es auch keine Anreize, Knappheit gemeinsam tätig schöpferisch zu überwinden. Also: Lob und Dank sei Eva, der ersten Frau und der ersten kreativ Dissidenten und damit der ersten Freiheitskämpferin.

Finger auf dem Mund

Der zweite Schutzpatron der Freiheit ist der heilige Nepomuk von Prag. Er ist historisch nachgewiesen, und er hat sich als Beichtvater der tschechischen Königin nicht durch Reden, sondern durch Diskretion und Verschwiegenheit unsterblich gemacht. Bis heute weiss man nicht, was ihm die Königin aus ihrem Liebesleben gebeichtet hat. Der König wollte es wissen und Nepomuk weigerte sich, das Beichtgeheimnis zu verletzen.

Der Persönlichkeitsschutz zur Wahrung der Privatsphäre ist auch ein urliberales Anliegen. Nepomuk wurde, weil er sich weigerte, das Beichtgeheimnis gegenüber der Königin zu brechen, in einen Sack eingenäht und von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau geworfen und ertränkt. Er ist zum Heiligen aller Brücken erklärt worden und sein Bildnis mit dem Kreuz und dem Finger auf dem Mund ziert noch heute viele alte Brücken. Das im rechten Moment Schweigen-Können ist auch für jene, die Redefreiheit schätzen und nutzen eine Tugend, und es ist wichtig zu wissen, dass nie alles allen gesagt sein muss.

Heiliger des Widerstands

Der dritte Schutzpatron stammt aus der Zeit des Frühchristentums, und er ist der Namensgeber zahlreicher Kirchen, auch in der Schweiz: der heilige Laurentius. Als Kennzeichen seines Martyriums wird er mit einem Grill abgebildet. Auch er ist wegen einer Weigerung heiliggesprochen geworden. Er hat sich geweigert, dem Kaiser, das heisst dem Staat, private Gelder auszuliefern, die der Armenkasse der Christengemeinde rechtens gehörten. Er liess nicht zu, dass privat gespendete Almosen in staatliche Zwangsabgaben verwandelt wurden. Er ist der Heilige des Widerstands, sich durch Staatsgewalt willkürlich enteignen zu lassen. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, aber lasst den Kaiser nicht in fremde Kassen greifen.

Laurentius wurde auf einem Holzkohlengrill zu Tode gefoltert. Möglicherweise wurde er gerade wegen seiner Weigerung, Spendengelder in Staatsbeiträge zu verwandeln zum Schutzpatron vieler Kirchen, in denen sich Menschen zusammenfinden, die zwar bereit sind, einander im Bedarfsfall freiwillig gegenseitig zu unterstützen, die aber nicht durch Zwangsabgaben enteignet werden wollen.

Robert Nef ist Gründer des Liberalen Instituts.

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