Ares

Lesedauer: 2 Minuten

Jordan, Frank: Ares, 624 Seiten, 24,90 Euro, Lichtschlag 2020

Der vierte Polit-Thriller der Schweizer Autorin Monika Hausammann alias Frank Jordan verbindet einmal mehr in genialer Weise vordergründige Realitäten mit hintergründiger Fiktion. Der Staat beruht auf Macht, und die Geheimdienste und Armeen spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber er kann auch eine Gegenmacht zu jenen Finstermächten sein, die eine Gesellschaft unter ihr Joch bringen wollen. Die Wirtschaft leidet unter der Staatsmacht, aber sie flirtet auch oft mit ihr, versucht, sich ein Stück abzuschneiden, und ist in Notzeiten temporär sogar darauf angewiesen. Ein Grundproblem für alle Produktiven ist der schwierige Ausstieg aus der Umklammerung durch die Staatsmacht. Das gilt generell und ist das aktuelle Umfeld, in dem sich der spannende Kriminalroman abspielt. „Ares“ baut auf dem Vorgängerroman auf, in dessen Verlauf mithilfe eines Virus ein Putsch von oben skizziert wurde. „Das Attentat“ war bereits ein Jahr vor der Corona-Krise erschienen und nahm vieles vorweg, mit dem wir aktuell versuchen fertigzuwerden. Der Gedanke liegt nahe, dass sich auch in „Ares“ Fiktion und Hellsicht verbinden. Es werden nicht nur die Folgen der Geld- und Wirtschaftspolitik der europäischen Staaten inklusive der Schweiz der letzten Jahrzehnte, sondern auch jene der geldpolitischen und anderen Reaktionen des Staates auf die Bedrohung durch die Virus-Krise beleuchtet. Ebenfalls aufs Korn nimmt der Roman die Anleihe- und Schrottpapier-Kaufpraktiken der EZB. Hausammann entwirft ein Szenario des gigantischen Missbrauchs. Über diese Mechanismen, die Protagonisten dieser Welt und ihre Abgründe, Wünsche und Ziele führt der Roman hin zu einer totalen Perversion dessen, was man als Public-private Partnership bezeichnet: zu „Ares“ – das im Geheimen aufgebaute Kontroll- und Konsolidierungsinstrument zum Machterhalt und zur Aufrechterhaltung der Ordnung mit militärischen Mitteln im Zusammenbruch. Der visionäre Roman ist von beklemmender Realität, unglaublich packend erzählt und hervorragend recherchiert. (Robert Nef)

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