Kaputtsparen und Kaputtfördern

Heute wird bei der Kommentierung der Pandemie-Krise häufig der Vorwurf erhoben, man habe das Gesundheitswesen als «»service public» zu Unrecht «kaputtgespart» und müsse jetzt mit einer weiteren Verstaatlichung und «mehr Steuergeld für die Gesundheit» vorwärts machen. Ob das wirklich der Gesundheit zugutekommt, darf und muss bezweifelt werden. Man sollte im Gesundheitswesen nicht «sparen», aber man sollte das viele Geld, das da via Krankenkassen und Steuern (in einer ziemlich absurden und nicht mehr kontrollierbaren Kombination) hineinfliesst, so patientenfreundlich und so gesundheitsfördernd wie möglich einsetzen. Am meisten gestiegen sind in den letzten Jahren die Lohnkosten. Es darf auch im Gesundheitswesen hohe und höhere Löhne geben – vor allem beim Pflegepersonal. Aber das wirksamste Mittel für eine leistungsbezogene Lohnerhöhung sind nicht gewerkschaftlich fixierte Einheitslöhne, sondern interne Differenzierungen und Spezialisierungen und ein gesunder Standortwettbewerb.

Der neidgetriebene Kampf gegen Spitzenlöhne bei Ärzten und gegen allenfalls «unnötige Eingriffe aus kommerziellen Gründen» ist ebenfalls keine wirksame Sparmassnahme. Warum soll es keine «Wahleingriffe» und sogar «Schönheitsoperationen» geben, sofern der Patient (bzw. Klient) diesen Medizinkonsum selbst voll bezahlt? Starärzte dürfen m.E. auch Stareinkommen haben, wenn das die Allgemeinheit nicht belastet. Das kann man eh nicht generell verbieten, aber man kann es vernünftiger organisieren. Heute werden im Gesundheitswesen auch viele Vermögende mit Staatsgeldern quersubventioniert. Nur: «Alles für alle und auf Kosten aller» kann und soll es auch im Gesundheitswesen nicht geben. Also: keine Staatsmedizin auf Kosten der Steuerzahler, sondern Selbstverantwortung und finanzielle Selbstbeteiligung (auch via Versicherung) für alle, mit Ausnahme der wirklich Bedürftigen, die gegen Bedürftigkeitsnachweis aus öffentlichen Mitteln medizinisch versorgt werden sollen. Was generell unentgeltlich ist oder auf Dritte abgewälzt werden kann, wird nämlich früher oder später unvernünftig konsumiert und unterpreislich angeboten. Dies führt dann zu Rationierungen, Kontingenten und Wartelisten. Eine solche Entwicklung zeichnet sich auch in der Schweiz bereits ab, trotz kontinuierlich steigender Gesamtkosten bei den Versicherten und bei den Steuerzahlern.

Dem Begriff «Kaputtsparen» ist der Begriff «Kaputtfördern» gegenüberzustellen. Indem man etwas für alle «gratis» oder massiv verbilligt anbietet, trägt man dazu bei, dass der wirkliche Wert der dahintersteht, nämlich die persönliche Gesundheit, nicht mehr adäquat wahrgenommen wird. Gesundheit darf und muss auch personenbezogen etwas kosten, weil sie etwas wert ist. Unterschiedliche Risiken und Betroffenheiten können versichert werden und man kann auch in guten Zeiten etwas auf die Seite legen, damit man in (auch gesundheitlich) schwierigen Zeiten, andern nicht zur Last fällt. Nur: Das getraut sich heute fast niemand mehr zu sagen und zu schreiben, weil man überall eingetrichtert bekommt, es gebe «ein Recht auf Gesundheit», und zwar für die Betroffenen unentgeltlich und voll zu Lasten anderer (z.B. der Reichen, der Wirtschaft, der kommenden Generationen, des «oberen Mittelstandes»). Dabei vergisst man oder verdrängt man, dass mit einer solchen «Zwangskostenteilung» und Umverteilung die einen von den andern ökonomisch zunehmend abhängig werden. Kurz: Man hasst die Reichen (Ausbeuter) und will den Reichtum abschaffen, wird aber via Umverteilung davon immer abhängiger. Ist das ein «soziales Ziel»?

Wer da nicht mehr mitmachen und mitzahlen will, ist keineswegs asozial und mit einer umfassenden Information lassen sich wohl sogar Mehrheiten davon überzeugen, dass mehr Selbstverantwortung zur Gesundung des Gesundheitswesens mehr beiträgt als die Forderung nach immer mehr Staatsgeld für eine immer staatlichere Grundversorgung.

Quelle:

Kaputtsparen und Kaputtfördern
Heute wird bei der Kommentierung der Pandemie-Krise häufig der Vorwurf erhoben, man habe…

Posted by Robert Nef on Thursday, 14 May 2020

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