Panik ist kein Programm

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An einer Podiumsdiskussion zum Thema Klimawandel an der Kantonsschule Romanshorn lautete die Eingangsfrage wie folgt: «Was halten Sie von Greta Thunberg?». Meine Antwort: Greta Thunberg hat als Agendasetterin ein wichtiges Problem auf die globalpolitische Traktandenliste gesetzt. Sie hat bei vielen internationalen Auftritten und Jugenddemonstrationen engagiert und glaubwürdig für ihr Anliegen gekämpft. Das ist ihr unbestreitbares Verdienst. Dass sie ihr Anliegen mit dem Aufruf zur Panik und zur Wut auf die aus ihrer Sicht Verantwortlichen verknüpft, zeigt hingegen ihre Grenzen und Schwächen. Sie schadet damit auf die Dauer ihrem Anliegen, das zwar relevant ist, aber nicht einzigartig.

Der Klimawandel ist ein komplexes Problem, und komplexe Probleme sollten nie mit Zukunftsangst und Panikmache angepackt werden, sondern im Geist der Lernbereitschaft und des Respekts vor divergierenden Erklärungs- und Lösungsmustern. Panik und die Ausrufung von Notständen sind keine taugliche Basis für nachhaltige Veränderungen.

Es gilt auch hier der Filmtitel von Werner Fassbender aus dem Jahr 1974: «Angst essen Seele auf». Eine panikgeladene und angstzerfressene Seele verwirrt auch die bei der Bewältigung des Klimawandels erforderliche Vernunft, die mit Geduld und Beharrlichkeit verbunden werden sollte. Der anthropogene Teil des Klimawandels verdient tatsächlich Beachtung und ist Bestandteil der ökonomisch analysierten Tendenz zur Über- und Fehlnutzung von gemeinsamen, grenzüberschreitenden Ressourcen, der sog. “Tragedy of he Commons”. Die Atmosphäre ist Gemeineigentum und gemeinsames Erbe der Menschheit und ihr Schutz ist nur durch eine Kombination von Lernbereitschaft, politischer Kompromissbereitschaft, unternehmerischem und technologischem Pioniergeist und persönlicher Verzichtbereitschaft möglich. Konsumverzichte mit vielfältigen Motiven beeinflussen die Nachfrage, besser und wirksamer als staatlich Regulierungen und Verbote auf der Angebotsseite.

Verzichtbereitschaft bei ressourcenschädigendem Konsum sollten jene anbieten, die aufgrund eines hohen Lebensstandards tatsächlich ein Veränderungspotenzial ihres Konsum- und Mobilitätsverhaltens und auch ein entsprechendes Verzichtpotenzial haben. Wer eben erst die Armutsgrenze überschritten hat, zeigt erfahrungsgemäss wenig Bereitschaft, wachsende Begehrlichkeiten im eignen Interesse und im Interesse aller einzuschränken. Dass gerade in entwickelten Ländern unter jungen Menschen eine Bereitschaft zur Änderung des Konsum-, Mobilitäts- und Ernährungsverhaltens spürbar ist, stimmt optimistisch. Gefragt ist ganz generell der Übergang vom quantitativen zum qualitativen Wachstum. Man hofft als Angehöriger der Grosselterngeneration auf eine diesbezügliche Nachhaltigkeit, die mehr sein sollte als eine jugendliche «Wutblase», die sich bei Streiken und Demonstrationen entlädt.

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Panik ist kein Programm
An einer Podiumsdiskussion zum Thema Klimawandel an der Kantonsschule Romanshorn lautete die…

Posted by Robert Nef on Saturday, 25 January 2020

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