«Das Klima und die Traumfabrik Europa»

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(NZZ – ZUSCHRIFTEN – Freitag, 24. Januar 2020, Seite 9)

Der ETH-Umweltnaturwissenschafter Professor Patt behauptet, dass es beim Klimaschutz keinen Plan B gebe. Zunächst bleibt in der ganzen Zuschrift unklar, was denn der Plan A wäre, der angeblich alternativlos ist. Das Klimaschutzprogramm Deutschlands oder der daran anknüpfende noch umstrittene «Green Deal» der EU oder die vagen Deklarationen verschiedener Konferenzen? Was dem Autor vorschwebt, illustriert das von ihm angeführte historische Beispiel: die kriegswirtschaftlich bedingte Verstaatlichung der amerikanischen Automobilindustrie und die präsidial kommandierte sofortige Umstellung von Automobilproduktion auf Waffenproduktion.

Die klimapolitische Zukunft liegt aus dieser Sicht – mindestens temporär – bei einer zwangsweise zentral verwalteten Wirtschaft. Beschworen wird jetzt «alternativlos» das politische Kommando, um zu beweisen, dass es keinen Plan B gibt, der u. a. auch auf einer marktmässigen Bewirtschaftung von Knappheiten in Kombination mit technologischen Innovationen beruht. Solche Vorschläge sind in dem in der Replik ungewöhnlich scharf kritisierten NZZ-Artikel von Professor Lino Guzzella und zwei Mitautoren skizziert worden. Die Erfolgsbilanz der Staatswirtschaft ist im Rückblick auf die im letzten Jahrhundert real praktizierten Experimente nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch katastrophal. Immerhin, der Autor nennt auch positive Folgen der US-Kriegswirtschaft. Nach dem Krieg kam es in der wieder in den Markt entlassenen Automobilindustrie aufgrund des «Rückstaus» zu einem gewaltigen Boom.

Denkt er daran, dass analog dazu auf die Phase der klimabedingten Kommandowirtschaft mit dem Ziel einer «Dekarbonisierung» ein klimaverträglicher Boom stattfinden könnte? Das erinnert stark an die Hoffnung der Marxisten, dass nach einer Phase der Totalverstaatlichung der Gesellschaft die Menschen derart sozialisiert wären, dass der Staat obsolet würde und von selbst abstürbe. Wenn dies der Plan A ist, zu dem es angeblich keinen Plan B gibt, hätte man neben dem zitierten Beispiel der kriegsbedingten temporären Verstaatlichung der Automobilwirtschaft gerne noch etwas detaillierte Angaben darüber, wie sich Umweltnaturwissenschafter die politische und ökonomische Umsetzung ihres Plans A vorstellen. Das gewählte Beispiel schreckt ab.

Robert Nef, St. Gallen

NZZ 24. Januar 2020, Seite 9

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