Vom langfristigen Misserfolg von Etatismus und Sozialismus

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(Frankjordanblog)

Von Robert Nef

Die klassische Dreiteilung des parteipolitischen Spektrums in «rechte Konservative», «mittlere Liberale» und «linke Sozialisten bzw. Sozialdemokraten» erschwert die Diskussion zwischen jenen «Flügeln», Gruppierungen und Individuen, welche sich durch dieses Schema gar nicht abbilden lassen. Wer von Hegels Trennung von Staat und Gesellschaft ausgeht, müsste zu einer anderen Einteilung kommen.

Erstens gibt es die linken und rechten Totalitaristen verschiedenster Couleurs und Provenienz, welche eine Trennung von Staat und Gesellschaft grundsätzlich ablehnen. Sie erwarten eine Vermenschlichung des Staates durch eine Verstaatlichung des Menschen. Zweitens gibt es die Etatisten, welche das Heil vom Staat (vom politischen System, das über ein Zwangsmonopol verfügt) erwarten, aber einen zivilgesellschaftlichen Restbereich tolerieren und drittens gibt es die Anti-Etatisten, welche das Heil von der Zivilgesellschaft erwarten, aber ein Minimum an politischen Strukturen doch für notwendig halten. Die Bezeichnung Anti-Etatisten ist unglücklich, da Begriffe, welche sich nur durch eine Negation charakterisieren, im ideengeschichtlichen Diskurs und im politischen Prozess ihre Schwächen haben. Eine vierte Gruppe bilden die Anarchisten, welche jeden Staat prinzipiell ablehnen.

Unter den Anti-Etatisten wären möglicherweise zwei Subgruppen zu unterscheiden, die entweder an ein Primat des Wirtschaftlichen oder an ein Primat des Gesellschaftlichen glauben. Eigentlich müssten sich die Gesellschaftsbefürworter, d.h. jene, welche von einem «Primat der Gesellschaft» überzeugt sind, korrekterweise als «Sozialisten» im Sinn von «Gesellschaftlern» bezeichnen. Dieser Begriff ist aber in der Ideen- und Parteiengeschichte bereits anderweitig «besetzt», und es scheint heute, als wäre er ziemlich fest und definitiv in der Hand der wohlfahrtsstaatlich-interventionistischen Etatisten und der grundsätzlichen Kritiker eines marktwirtschaftlichen Kapitalismus. Für mich selbst basiert die Gesellschaft auf dem Prinzip des freiwilligen Tauschs, d.h. auf dem «homo oeconomicus», der moralisch weder gut noch böse ist, sondern eine Mischung, in welcher Optimisten eine leichte Tendenz zum Guten vermuten. Das, was unmenschlich, verlogen und generell schädlich ist, ist auf die Dauer nämlich auch nicht rentabel. Tauschen und Lernen sind miteinander vernetzt. Als Tauschende, vielfältig Kommunizierende sind wir permanent in einer Lebensschule, in der Erfolge generell belohnt und Misserfolge bestraft werden. «Beschiss lohnt sich nicht», wissen schon Kinder.

Handel ist für mich als Freiheitsfreund und Anhänger des Freihandels nicht die Fortsetzung des politischen Krieges durch ökonomischen Wettbewerb, sondern ein friedliches Surrogat dafür. Der offene Welthandel ermöglicht eine allerseits produktive Vernetzung anstelle einer allerseits destruktiven Konfrontation, – ohne dies zu garantieren. Der griechische Philosoph Heraklit behauptet, der Krieg, der Konflikt, sei der Vater aller Dinge. Im Rückblick auf die Weltgeschichte hat er Recht behalten. Aber die Frage muss erlaubt sein: Wer ist denn die Mutter aller Dinge? Meine Antwort: der freiwillige Tausch, der offene Handel mit Produkten, Dienstleistungen und Informationen. Je fairer desto besser – als Feststellung -, und je freier desto fairer – als berechtigte Hoffnung.

Mein Ideal ist der «homo oeconomicus cultivatus». Inwiefern der tauschende Mensch durch zwingende Gesetze tatsächlich verbessert und kultiviert werden kann, bleibt für mich eine offene Frage. Die Beweislast liegt bei jenen, die kollektiven Zwang für unverzichtbar halten. Marx hoffte in seinem anthropologischen Fehlkonzept, dass sich die Mehrheit der Menschen nach einer Zwangsphase der Diktatur der Guten als Resultat dieser Zwangskur extrinsisch oder intrinsisch von selbst zum Guten hin entwickeln werde, worauf sich seine Hoffnung auf ein «Absterben des Staates» in der Phase des Kommunismus richtete. Das philosophisch und anthropologisch abstruse Konzept ist bisher weltweit nicht nur gescheitert, es hat das Gegenteil des Beabsichtigten und des Prognostizierten bewirkt. Die Menschen sind in totalitär sozialistischen Staaten generell egoistischer geworden, und sie haben die intrinsisch vorhandenen oder traditionell vermittelten mitmenschlichen Werte mehrheitlich schrittweise verlernt. Staatlicher Zwang zerstört mehr an gutem Willen als er an bösem Willen zu verhindern vermag. Aber möglicherweise gibt es doch so etwas wie einen notwendigen Minimalzwang zur Verhinderung des abgrundtief Schlechten und Bösen durch einen minimalen Rechtsstaat, der die Mehrheit der korrekt Tausch- und Lernwilligen (mit ihrer generell vorhandenen Mischung von Egoismus und Altruismus) vor der rein egoistischen Aggressivität von Räubern, Mördern und Psychopathen schützt.

«Pax hominibus bonae voluntatis».

Quelle: https://frankjordanblog.wordpress.com/2020/01/18/vom-langfristigen-misserfolg-von-etatismus-und-sozialismus/

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