Weniger Steuergelder für die Bildung?

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(NZZ – ZUSCHRIFTEN – Mittwoch, 22. Juni 2016, Seite 9)

Marc Tribelhorns Plädoyer für mehr Investitionen in Bildung und Forschung ( NZZ 8. 6. 16) ist gewiss aktuell und sehr berechtigt, sein Ruf nach mehr Staat für bessere Bildung und Forschung ist hingegen verfehlt. Er entspricht leider dem vorherrschenden Trend einer «Politik der hohlen Hand». Alles Wichtige und Entscheidende soll aus dieser Sicht der Staat finanzieren und regulieren. Das ist die heute vielerorts vorherrschende kurzfristige Denkweise. Die andern machen’s auch so, und langfristig sind wir eh alle tot. Der Ruf nach mehr kollektiven Staatsgeldern ist eben populärer als der Aufruf zum privaten finanziellen Engagement, und je mehr der Staat aktiv wird, desto mehr Ausreden gibt es für die eigene politische Konsumentenhaltung. Hier braucht es aus liberaler Sicht Gegensteuer: Zunehmend wichtig sind mehr private und direkte Investitionen in beiden Bereichen. Bildung und Forschung sollten schrittweise in den Markt hinüber- bzw. zurückgeführt werden. Die «besten Zeiten» des Quasimonopols des Staates für Schulen und Hochschulen (bei denen die Alphabetisierung, die militärische und industrielle Disziplinierung der Jugend im Mittelpunkt standen) sind längst vorbei. Heute braucht es lebenslanges Lernen und Umlernen, Vielfalt und intrinsische Motivation bei den Nachfragern, die ihrerseits einen heilsamen permanenten Druck auf das Angebot des Lehr- und Lernstoffes und der Forschungsthemen ausüben sollten. Aus diesem Grund sollten Bildung und Forschung nicht «top-down» von einer zentralen Organisation mit Zwangsmonopol aus definiert, finanziert und gesteuert werden.

Warum gilt heute bis in bürgerliche Kreise hinein jene Institution als derart vertrauenswürdig, die doch in der Funktion des allverantwortlichen Zentralverwalters im letzten Jahrhundert in praktisch allen Experimenten weltweit kläglich versagt hat?

Robert Nef, St. Gallen

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