Liberalismus und Sozialdemokratie

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(NZZ – Briefe an die NZZ – Donnerstag, 28. Februar 2008, Seite 9)

Mit grossem Interesse habe ich im Feuilleton ( NZZ 18. 2. 08) die aufschlussreiche Rezension des provozierenden Buches von Jonah Goldberg («Liberal Fascism») durch Jan-Werner Müller gelesen. Der Titel der Rezension diffamiert allerdings den Liberalismus nach kontinentaleuropäischem Verständnis, führt die Leserschaft in die Irre und beleidigt selbst in der Frageform viele Liberale. Seit Jahren versuche ich darauf aufmerksam zu machen, dass der Begriff «liberal», wie ihn die Amerikaner und Kanadier spätestens seit Reagan verwenden, ziemlich genau dem entspricht, was wir hierzulande als «sozialdemokratisch» bezeichnen. Das schreibt auch der Rezensent: «‹Liberalism› bedeutet in der amerikanischen Politik schon seit langem nicht mehr, was die Europäer unter ‹Liberalismus› verstehen.» Warum dieses Missverständnis dann gleich im Titel des Artikels wieder geschürt wird, ist mir unerklärlich. Titel dürfen provozieren und zum Lesen ermuntern, aber sie dürfen nicht das Gegenteil von dem suggerieren, was nachher im Text zu lesen ist. Wollte man dem, was der Autor anspricht und der Rezensent kritisiert, Rechnung tragen, müsste man aufgrund einer korrekten Übersetzung des «American liberalism» folgende Frage stellen: «Sozialdemokratie als Faschismus mit menschlichem Antlitz?»

Robert Nef
Präsident Liberales Institut (Zürich)

NZZ Donnerstag, 28. Februar 2008, Seite 9

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