Das Blocher-Prinzip

Lesedauer: 2 Minuten

(Eigentümlich frei / Capitalista Nr. 78, Seite 56)

Matthias Ackeret: Das Blocher-Prinzip, Meier Buchverlag Schaffhausen, 2007

Die Schweizerische Volkspartei SVP war bei den Parlamentswahlen die große Wahlsiegerin. Sie ist mit etwa 30 Prozent Wähleranteil die größte Partei der Schweiz und hat in den letzten Jahren auch im französischsprachigen Landesteil Fuß gefasst. Die ausländische Presse hat den Wahlkampf verfolgt und in mehrheitlich undifferenzierten Beiträgen die SVP als „rechtspopulistische Bewegung“ in die Nähe nationalistischer und xenophober Parteien gerückt. Wenn man unter Populismus einen engen Bezug auf emotional gefärbte Anliegen der breiten Bevölkerung versteht, so ist es in einer massenmedial beeinflussten Demokratie unvermeidlich, dass sich in Wahlkämpfen verschiedene Spielarten des Populismus gegenüberstehen. Der Erfolg der SVP wird mit guten Gründen auf den seit über 20 Jahren führenden Kopf der Partei, auf Christoph Blocher zurückgeführt. Blocher ist ein erfolgreicher Unternehmer, der, wie dies in der Schweiz üblich ist, bis zu seiner Wahl in die Bundesregierung nur nebenberuflich politisierte und in der Milizarmee als Regimentskommandant Führungserfahrung sammeln und anwenden konnte. Es gibt über ihn bereits eine große Zahl von Publikationen. Das Buch, das ihn am ehesten so zeigt, wie er wirklich ist, entstand aufgrund von Interviews. Es ist ganz auf die Thematik „Führung“ ausgerichtet und vermittelt in den Antworten den Originalton, der niemals anbiedert und Ecken und Kanten nicht abschleift. Kein Wunder, dass das Buch zahlreiche Kritiker fand, die Blocher veraltete paternalistische Allüren vorwerfen. Da sich der Interviewte auch ausführlich über Führung in der Familie äußert, hat das Buch auch viele Leserinnen gefunden, und die persönlichen Zuschriften sollen mehrheitlich von Frauen stammen, die sich in ihrer Rolle bestätigt und bestärkt fühlen. Auch kritische Leser werden Mühe haben, die gängigen Blocher-Clichés von einem xenophoben, isolationistischen und frauenfeindlichen Rechtspopulisten aufrechtzuerhalten. Ein Buch gegen Vorurteile aller Art.

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