«Eine im Abendland sehr beliebte Gabe»

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(NZZ – ZÜRCHER KULTUR • STADT ZÜRICH – Freitag, 28. November 2005, Nr. 278, Seite 34)

Der Filmemacher Fredi Murer (Mitte) mit Robert Nef von der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (links) und mit Laudator Alex Bänninger. (Bild Franco Bottini)

Auszeichnung des «Filmers und Zauberers» Fredi M. Murer

che. Mit 50’000 Franken dotiert ist der «Jahrespreis» der in Zürich domizilierten Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur. Dieses Jahr ist die Wahl auf Fredi M. Murer gefallen und der Preis damit erstmals einem Filmschaffenden verliehen worden. Dies auch im Bestreben, wie Robert Nef, der Direktor des Liberalen Instituts, als Präsident des Stiftungsrats am Samstag in seiner launigen Begrüssungsrede vor dem vollbesetzten Kleinen Tonhallesaal sagte, «Staub der Vergangenheit abzuschütteln». In ansehnlicher Zahl waren Filmschaffende gekommen, jedoch keine Vertreter der «staatlichen Filmförderung». Dabei liegt es durchaus in deren Interesse, dass ihre (sehr limitierten) Mittel von privater Seite ergänzt werden. Dass die Veranstaltung in der Tonhalle stattfand und nicht etwa in einem Kino, hatte seinen guten, musikalischen Grund. Der 13-jährige Theo Gheorghiu, Titelheld in Fredi Murers jüngstem Film, «Vitus», der im Februar ins Kino kommen wird, spielte am Flügel auf und nahm sich mit Gusto und beeindruckender Fingerfertigkeit besonders Liszts «Campanella» und Balakirews Orientalischer Fantasie «Islamej» an.

Adressiert hatte der Publizist Alex Bänninger seine ebenso geschliffene wie freundschaftlichpersönlich gehaltene Laudatio auf den Preisträger an den «Fotografen, Filmer, Zeichner, Erzähler, Zauberer, Koch» Fredi Murer. Naheliegenderweise stand dann aber doch der Filmer aus jener Urschweiz im Mittelpunkt, die erst die Schweizer Geschichte und in der Folge die Schweizer Filmgeschichte verändert habe. Der Laudator wies auf Murers poetische Imaginationskraft hin, die ihn die Fluten des Vierwaldstättersees als Meer, die Lichter der Alphütten als Sterne und die Nachbarn als Indianer habe empfinden und folgerichtig sagen lassen, seine Heimat sei «nicht die Schweiz, sondern die Leinwand». Indem er nicht «Schweizer Filmer», sondern Filmer sein wollte, habe er, «frei von jeder ideologischen Verbiesterung», nie unter irgendeiner Fahne gestanden, und wenn doch, «dann unter eigener Flagge».

Der 1940 geborene Fredi Murer ist ein nach schweizerischen Massstäben durchaus erfolgreicher Filmemacher, dessen Werk mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen bedacht wurde. Was das konkret aber auch heisst, rechnete Alex Bänninger vor: Von 1962 bis heute gebe es 26 Jahre, in denen Murer keinen Film habe vorlegen können. – «Noch etwas benommen», wie er sagte, von dieser «schwindelerregend schmeichelhaften Laudatio», bedankte sich der Preisträger für die «im Abendland sehr beliebte» Gabe und verwies auf Freunde, die ihm geraten hätten, besser zu schweigen und die Bilder sprechen zu lassen. Der anschliessend vorgeführte Zusammenschnitt von Szenen aus einem guten Dutzend seiner Arbeiten liess dann die spezifisch Murersche Dimension des Filmens sichtbar werden: die Lust am Anarchischen, Ungebärdigen, Experimentellen und seine Fähigkeit, jene, die keine Stimme haben, zum Reden zu bringen.

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