Patchwork – neue und alte Arbeits- und Lebensformen

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(Schweizer Monatshefte – Heft 6, 2001 – Seite 23-24)

DOSSIER

Robert Nef

Landwirtschaftliche Momentaufnahme im Emmentaler Dörfchen Signau: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Schweiz noch weitgehend ein Agrarstaat mit einer erst in den Anfängen steckenden Industrie. Heute jedoch sind im ersten Sektor nur noch drei Prozent aller arbeitsfähigen Schweizer beschäftigt.

Drei Beiträge im Dossier dieses Heftes sind Auszüge aus einer Studie, welche das Liberale Institut Zürich im Auftrag der Vontobel-Stiftung zum Thema «Arbeits- und Lebensformen der Zukunft» erarbeitet hat. Die zunächst in vervielfältigter Form vorliegende Studie kann beim Liberalen Institut Zürich, Vogelsangstrasse 52, CH 8006 Zürich, bestellt werden und ist auch auf Homepage www.libinst.ch. abrufbar. In dieser Studie werden anhand von Fallbeispielen und Interviews die vielfältigen Veränderungsprozesse aus unterschiedlichsten Perspektiven beschrieben. Die für die Auswahl der Autoren und für die Schlussredaktion verantwortlichen Herausgeber (Robert Nef und Gisela Steimer) gehen von der Überzeugung aus, dass sich die geforderte Vielfalt, Offenheit und Lernbereitschaft vor allem in Marktprozessen entwickeln kann. Die positiven Seiten des Wandels stehen im Zentrum, ohne dass dabei einem blinden Fortschrittsglauben und einem technologischen und politischen Machbarkeitswahn gehuldigt würde. Möglicherweise wird das Tempo des Wandels falsch eingeschätzt. Vieles geht sehr rasch, vor allem im technischen und wirtschaftlichen Bereich, einiges geht langsamer, als es die Prognostiker und Utopisten voraussagen, vor allem im Bereich des politischen und psychologischen Mentalitätswandels, beispielsweise beim Rollenverständnis von Frauen und Männern.

Die wirtschaftliche Sicherheit muss wieder vermehrt auf sozio-kulturelle Realitäten und nicht auf politische Versprechungen abgestützt werden. Die Politik kann für einen solchen Arbeitsmarkt mündiger und eigenständiger Leistungsanbieter lediglich günstige Voraussetzungen schaffen, indem sie die Hindernisse abbaut, welche zwischen Arbeitsanbietern und Arbeitsnachfragern existieren, und indem sie flexible, sensible und lernfähige Menschen ausbildet und nicht «stellengerechte Arbeitnehmer» als «Zahnrädchen schleift», die dann plötzlich nirgends mehr passen.

Das Bild des «Patchwork» kann nicht nur auf neue Kombinationen von Lernzeit, Arbeitszeit, Ichzeit und Sozialzeit im Rahmen einer individuellen Biographie verwendet werden, sondern auch bei der privatautonom gesteuerten, flexiblen Verbindung herkömmlicher und neuer Arbeitsund Lebensformen. Arbeit wird so zum «Schaffen» beim Verbinden des Herkömmlichen mit dem Neuen. «Büetz» (von «Büetzen» Zusammennähen), der aus dem Hausbereich stammende anschauliche schweizerische Dialektausdruck für Arbeit, bekommt so eine zusätzliche, höchst aktuelle Bedeutung. Wir «schaffen» und «büetzen» alle an einem grossen Patchwork.

Die untenstehenden Graphiken entstammen einer Studie der «Schweizerischen Gesellschaft für Arbeitsund Organisationspsychologie» (Dokumentation der Tagung «Neue Arbeit, Risiken und Optionen» vom 29. Oktober 1999, Institut für Arbeitspsychologie der ETH Zürich) und sind von der «Gruppe Corso» erarbeitet worden. © Gruppe Corso 1999 SGAOP, 29.10.99

Schweizer Monatshefte – Heft 6, 2001 – Seite 23-24

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