Wilhelm Röpke – ein liberaler Wertkonservativer

STAB
Stiftung für Abendländische Besinnung
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Der Präsident

Zürich, Anfang Dezember 1999
Rundbrief Nr. 127

An die Freunde
der Stiftung
für Abendländische Besinnung

Robert Nef, lic. iur., Mitglied des Stiftungsrates der “Stiftung für Abendlandische Besinnung”, Leiter des Liberalen Instituts Zürich, Redaktor und Mitherausgeber der “Schweizer Monatshefte”

Wilhelm Röpke wäre am 10. Oktober 1999 100 Jahre alt geworden. Er gehört zu den grossen Liberalen dieses Jahrhunderts. Freiheitliches Gedankengut stand für ihn im Zentrum seines wissenschaftlichen und publizistischen Wirkens und sein Name bleibt für Kenner der Ideengeschichte unauslöschlich mit dem Begriff des Neoliberalismus verbunden, auch wenn dieser Begriff heute in einer anderen Bedeutung im Umlauf ist, mit der sich Röpke kaum identtfiziert hätte. Neoliberalismus war für ihn gerade nicht die vorwiegend im 19. Jahrhundert entwickelte Lehre vom Freihandel, von der durch Marklprozesse gewährleisteten Interessenharmonie und vom “Laissez-faire”, sondern ein an die Gegebenheiten und Widerwärtigkeiten des 20. Jahrhunderts adaptiertes Ordnungsprnzip, ein “Dritter Weg” zwischen Moralismus und Ökonomismus. “Nationalökonomisch dilettantischer Moralismus ist genau so abschreckend wie moralisch abgestumpfter Okonomismus, und leider ist das eine so verbreitet wie das andere” (“Wirtschaft und Moral”, in: Wort und Wirkung, Ludwigsburg 1964, S. 73). Röpke unterscheidet einen “unvergänglichen Liberalismus”, welcher für ihn als Idee “im Grunde das Wesen der abendländischen Kultur schlechthin ausmacht” von einem “vergänglichen Liberalismus”, welcher als wirtschaftspolitische Doktrin aus dem letzten Jahrhundert seine Aktualität weitgehend eingebüsst habe. Dem Konzept des allgegenwärtigen “homo oeconomicus”, der die ganze Welt nur unter dem Gesichtspunkt von Kosten und Nutzen evaluiert, stellte er das Konzept des “homo religiosus” gegenüber, der Mensch. der zwischen Einbindung und Abgrenzung nach “Mass und Mitte” strebt, der Mensch, dessen seelische Bedürfnisse in der säkularisierten Massengesellschaft zu kurz kommen. Dieses tiefe Unbefriedigtsein der Seele führt, so Röpke, zur Suche nach einem Glaubensersatz und “zur immer totaleren ldeologisierung und Politisierung unseres Lebens. Dieser Entwicklung kann man immer schwerer entrinnen, und vielleicht ist es sogar ein eigentlicher Fluch unserer Zeit, von der die Pest des Kommunismus nur ein besonders bösartiger Spezialfall ist. Beabachlen sie die pseudoreligiöse Inbrunst der Utopisten, der Weltverbesserer, die donn die Welt nur schlimmer machen und eigentlich Weltverschlimmerer heissen sollten” (“Wirtschaftspolitik im politischen Raum”, in: Wort und Wirkung, Ludwigsburg 1964, S. 29).

Röpke ist 1966 im 67. Altersjahr viel zu früh gestorben. Er hat – anders als sein Jahrgänger Friedrich August von Hayek, dem er freundschaftlich verbunden war – weder den Wandel im sozialwissenschaftlichen Umfeld (70er Jahre) noch den Übergang von den Europäischen Gemeinschaften zur Europäischen Union (80er Jahre) noch den Konkurs des Sowjetkommunismus und den Zerfall des Sowjetimperiums (ab 1989) noch die “Neue Weltordnung unter der Vormacht der USA” miterlebt. Er hätte wohl kaum zu den voreiligen und zum Teil auch gefährliehen Optimisten und Enthusiasten gehört, welche bei jedem Wandel gleich überall das Ende alles Schlechten und den Anfang alles Guten wittern und die Macht der Altlasten sträflich unterschätzen. Wenn wir heute nach einem Adjektiv suchen, welches das Lebenswerk Röpkes besser charakterisiert als das heute missverständliche “neoliberal”, so ist es “wertkonservativ”, und die Zielsetzung unserer Stiftung, die “abendländische Besinnung”, kann als Motto über sein gesamtes Lebenswerk gesetzt werden.

Röpke wurde 1899 in Schwamstedt in der Lüneburger Heide als Sohn eines Arztes geboren. 1917/18 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. Er studierte an der Universität Marburg, doktorierte dort und habilitierte sich 1922 als Privatdozent für Nationalökonomie. 1923 heiratete er Eva Fincke. Der Ehe entsprossen drei Kinder. 1924-33 lehrte er – unterbrochen durch ein Jahr als Visiting Professor der Rockefeller Stiftung in den USA – als Professor für Nationalökonomie an den Universitäten Jena, Graz und Marburg/Lahn. 1933 wurde er wegen seiner liberalen Gesinnung von den Nationalsozialisten als Professor entlassen. 1933-37 wirkte er als Professor in Istambul, 1937-66 am Institut des Hautes Etudes Internationales in Genf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ihm weltweit und auch in Deutschland zahlreiche Ehrungen zuteil. 1947 gehörte er zusammen mit seinem Freund Friedrich August von Hayek zu den Grundern der “Mont-Pèlerin-Society”, welche zum weltweit einflussreichen Kontaktgremium der Exponenten freiheitlicher, marktwirtschaftlicher Ideen wurde. Sein wissenschaftliches und publizistisches Lebenswerk ist beeindruckend. Es kreist um den Themenbereich “Gesellschafts- und Wirtschaftsreform” und umfasst vom Lehrbuch über den Aufsatz bis zur Rede und zum Zeitungsartikel verschiedenste Gattungen der Publizistik.

Röpkes in der “Neuen Zürcher Zeitung” publizierte Leitartikel haben eine ganze Lesergeneration mitgeprägt und der Schreibende hat kürzlich im Nachlass seines Vaters (1906-1986) eine Sammlung vergilbter Röpke-Artikel gefunden. Für einen, der selbst schreibt und hofft, dass der eine oder andere Artikel auch über den Tag hinaus eine gewisse Bedeutung behalten wird, ist es eine heilsame Übung, alte Zeitungsartikel wieder zu lesen. Was bleibt, und was ist zeitgebunden? Die Engländer, die eine besondere Affinität und Begabung zu einem offenen Konservatismus haben, kennen ein treffendes Sprichwort: “Systems die, instincts remain”. Systeme, auch Denksysteme sind vergänglich, Instinkte, welche anthropologische Erfahrungen speichern, überdauern, auch wenn sie oft nur in den Traditionen und nicht in den Genen gespeichert sind. Röpkes bleibende Erkenntnisse entstammen eher dieser geistigen Instinktsphäre als einem wissenschatlich erhärteten und kritisierbaren System. Der Begriff “Instinkt” mag allzu biologistische Assoziationen wecken, möglicherweise charalterisiert er aber recht zutreffend jene Einbindung in die Menschennatur und in die kulturgeschichtlich geprägte Tradition. Darin kommt zum Ausdruck was für Röpke den “homo religiosus” ausmacht, den er über den “homo oeconomicus” und über den “homo politicus” stellt. Im Zentrum seines Lebenswerks stand die Freie Gesellschaft, welche ihrerseits auf Privateigentum und Privatautonomie und auf einer “organischen Verbindung” bewährter moralischer Yerhaltensweisen beruht. Sein Denken lässt sich – wie übrigens bei allen Liberal-Konservativen – am ehesten ex negativo beschreiben. Er war anti-etatistisch, anti-zentralistisch, anti-totalitär, anti-rationalistisch, anti-materialistisch und anti-okonomistisch (wenn man “ökonomistisch” als Bezeichnung für ein vorbehaltloses Primat der Ökonomie verwendet).

Röpke war ein Meister der Titelformulierung. Die Aufzählung der einzelnen Buchtitel mag bei vielen Gelehrten eine langweilige Sache sein. Bei Röpke spiegelt sich darin sein ganzes “Lebensprogramm”. Das erste grössere Werk ist ein Lehrbuch, “Die Lehre von der Wirtschaft”, dann folgen “Krise und Konjunktur”, “Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart, Wesentliche Orientierungen im Chaos unserer Zeit”, “Civitas Humana, Grundfragen der Gesellschafts- und Wirtschaftsreform”, “Die deutsche Frage”, “Internationale Ordnung – heute”, “Mass und Mitte”, “Jenseits von Angebot und Nachfrage”, “Gegen die Brandung”, “Das Kulturideal des Liberalismus”, “Wirrnis und Wahrheit”, “Wort und Wirkung”, “Torheiten der Zeit, Stellungnahmen zur Gegenwart”. Von den vielen Zeitschriftaufsätzen sei nur ein besonders markanter Aufsatxitel erwähnt “Eigentum als Säule einer freien Gesellschaft” (Schweizer Monatshe{te 1957, S. 441). Eine der wichtigsten Reden trägt den programmatischen Titel “Marktwirtschaft ist nicht genug” (In: Wort und Wirkung, Ludwigsburg 1964, S. 136).

Ob Röpke ahnte, dass von vielen Autoren letztlich nur noch die Titel ihrer Bücher überliefert werden? (Untersuchungen über die Frage, wieviele Bücher nur noch zitiert aber nicht mehr gelesen werden, sind ernüchternd.) Die in wenigen Worten komprimierte Hauptbotschaft des Buches finden wir etwa bei Kants “Kritik der reinen Vernunft”, Schopenhauers “Die Welt als Wille und Vorstellung”, Max Stirners “Der Einzige und sein Eigentum” (übrigens von Röpke als “das lacherlichste Buch der Weltliteratur” bezeichnet) Horkheimer/Adornos “Dialektik der Aufklärung” und – last but not least – Nietzsches “Jenseits von Gut und Böse”. Letzterer hat wohl Röpke zu seinem markanten Buchtitel “Jenseits von Angebot und Nachfrage” angeregt, zu jenem “geflügelten Wort”, welches als Motto über seinem Gesamtwerk stehen könnte, und das als “minimales ideengeschichtliches Pnifungswissen” auch in einer wenig traditionsbewussten Zeit gate Überlebenschancen hat.

Röpke war kein Wissenschafter, der im Elfenbeinturm über alten und neuen Theorien brütet, bzw. als Empiriker fleissig Daten und Fakten sammelt und interpretiert. Er war ein Professor im Sinn des Bekenners, ein Kämpfer für jene Ideen, von deren Wahrheit er zutiefst überzeugt war. Die Funktion der Ökonomie als Wissenschaft hat er wie folgt beschrieben: “Wir appellieren an die wirtschaftliche Vermmft; wir ermahnen die Menschen, Tatsachen zu respekieren. Aber das heisst, dass hier wirtschaftliche Vernunft und Respektieren von Tatsachen aufprallen auf die Gefihle und Leidenschafien der Politik, auf den blossen Enthusiasmus, auf Ideologien, von denen ich gesprochen habe. Durch diesen Appell an die wirtschaftliche Vernunft und an harte, nicht aus der Welt zu schaffende Tatsachen gewinnt die Wissenschafi vom Wirtschaftsleben, die Nationalökonomie, und das wirtschaftliche Denken, das wir alle pflegen in unserer ideologiebesessenen Zeit einen Wert, der gar nicht abzuschätzen ist.” (In: Wort und Wirkung, S. 30). Sein Vortrag zum Thema “(Jmgang mit dem Bolschewismus” (a.a.O. S. 91) beginnt mit folgendem Satz: “Wenn ich irgendwo und irgendwann in den gewiss höchst unverdienten Ruf eines ängstlichen Leisetreters gekommen sein sollte, so habe ich heute die sehr erwünschte Gelegenheit, ihnen zu beweisen, dass ich im Gegenteil, wenn es darauf ankommt im Stande bin, die Dinge beim Namen zu nennen.” Gibt es heute noch solche Stellungnahmen von Hochschullehrern, welche als “Orientierungen im Chaos der Zeit” “die Dinge beim Namen nennen”? Der von Röpke so leidenschaftlich und mit moralischer Argumentaion bekämpfte Bolschewismus ist heute nicht mehr existent. Aber hat die “Marktwirtschaft mit moralischem Fundament” wie sie Röpke als Ideal vorschwebte gesiegt? Oder nähern wir uns Röpkes Horrorvision von einer entwurzelten, orientierungslosen, ökonomistischen Massengesellschaft? Die Überlegenheit der Marktwirtschaft wird heute in aller Regel durch ihre Effizienz und ihre Produktivitat begrundet. Anders bei Röpke. Sein Motiv ist die Freiheit, welche basierend auf Privateigentum und Privatautonomie eine tragende Säule der Gesellschaft bildet. Effizienz und Produktivitat mogen positive Nebeneffekte sein, die empirisch bisher nachweisbar sind, aber die Wirtschaftsfreiheit müsste – so Röpke – als Wesenselement der Freiheit auch dann geschützt werden, wenn andere Wirischaftssysteme effizienter und produktiver wären. “Die Freiheit ist ein so kostbarer Wert, dass wir bereit sein sollten, ihr alles zu opfern, möglicherweise auch Wohlstand und Überfluss, wenn die wirtschaftliche Freiheit uns dazu zwingen sollte.” (“Erziehung zur wirtschaftlichen Freiheit” in: Albert Hunold, Hrsg., Erziehung zur Freiheit, Erlenbach-Zürich 1959, S. 286)

Im Zentrum der ordnungspolitischen Diskussion steht heute nicht mehr die Frage “Marktschaft oder Kommandowirtschaft?” Von höchster Aktualität ist und bleibt jedoch die These “Marktwirtschaft ist nicht genug”. Die Ergänzungsbedürftigkeit der Marktwirtschaft wird heute – anders als bei Röpke – allerdings mehrheitlich beim politischen System angesiedelt. Dem Staat wird – vor allem von linker Seite – die Aufgabe zugewiesen, sogenanntes “Marktversagen” zu kompensieren. Er soll die Wirtschaft durch Vorschrilten und Steuern “sozialer machen”. Das Primat der Wirtschaft wird einem Primat der Politik gegenübergestellt und Marklglaubige fechten gegen Politikgläubige. Röpkes Postulat nach einem Primat der Moral erscheint in diesem Diskurs als Ruf aus einer andern Welt. Moral wird zwar von Etatisten durchaus gepredigt und vor allem “von den andern” in Form von Solidarität gefordert, nötigenfalls unter Nachhilfe durch staatlichen Zwang und wohlfahrtsstaatliche Umverteilung. Aber auch das moralische Defizit, das “Moralversagen”, soll aus dieser etatistischen Sicht durch staatliche Vorschriften ausgeglichen werden. Diese Tendenz steht im Widerspruch zu dem, was Röpke als “dritter Weg” vorschwebte. Die Hoffnung, man könne “nehr Moral” durch “nehr Staat” herbeizwingen, dürfte sich als gefährliche Illusion erweisen. Möglicherweise ist der Fortschrittsskeptiker Röpke gegenüber dem Verhältnis von Markt und Moral zu pessimistisch gewesen. Er hat die Chancen des Übergangs von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft gegenüber den Gefahren der Vermassung in der Konsumgesellschaft meines Erachtens unterschätzt. Der Markt kann zwar auch in einer Dienstleistungsgesellschaft ohne moralische Basis nicht funktionieren, aber Vieles deutet darauf hin, dass Märkte und vor allem Dienstleistungsmärkte, im Wettbewerb nicht primär die Aggressivität fördern, sondern die Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse anderer einzufühlen. Sympathie wird – auch wirtschaftlich – lohnend, moralische Verhaltensweisen werden vom Markt nicht nur benötigt und genutzt, sondern auch generiert. Dies g1lt zwar nicht in allen Fällen, aber in der Tendenz. Moral steht prinzipiell nicht im Widerspruch zum Wirtschaftlichen, selbst wenn dieses – wie bei Röpke – in einem engeren, vorwiegend an materielle Bedürfnisse anknüpfenden Sinn definiert wird.

Ist Röpke nur noch eine ideengeschichtlich interessierende Gestalt des 20. Jahrhunderts, oder bleibt sein Werk aktuell? Die Frage nach der zeitlichen und der überzeitlichen Bedeutung eines bedeutenden Wissenschafters stellt sich nicht nur bei Röpke. Weil er so engagiert für die aktuellen Herausforderungen seiner Zeit gekämpft hat und weil er seine Anliegen auch in der Sprache seiner Zeit formuliert hat, wirken zahlrecihe Publikationen – nicht nur sprachlich, sondern auch thematisch – heute etwas antiquirt. Sein Ideal einer mittelständigen Gesellschaft auf der Basis gewerblicher Kleinbetriebe und selbstbewirtschaftender Landwirte isz heute zu einer Utopie geworden. Die Ökonomie hat sich als Sozialwissenschaft inzwischen in jene Bereiche hineingewagt, die Röpke noch “Jenseits von Angebot und Nachfrage” ansiedelte. Man spricht heute von “Humankapital” und von “Sozialkapital” und die “Public-choice”-Schule hat längst moralische Verhaltensweisen, Traditionen, politische Verhaltensweisen, Gesetzgebung, Vertragsgemeinschaften, Emotionen und Beziehungsnetze in “face-to-face”-Gruppen und in grösseren anonymen Systemen als Gegenstand ihrer Analyse entdeckt. Trotzdem hat die von Röpke in geradezu klassischer Form verkörperte Verbindung von Liberalisrnus und Wertkonservatismus ihren Stellenwert behalten, ja man kann sogar ein zunehmendes Interesse daran prognostizieren. Wertkonservative möchten an bestimmten Werthaltungen festhalten und sind darum – im Gegensatz zu den Strukturkonservativen – grundsätzlich am Wandel interessiert, und zwr gerade an jenem Wandel, der zur Verwirklichung ihrer Werte optimale Bedingungen schaffi. In Zeiten des Wandels tendieren Wertkonservative immer dazu, durch eine Anpassung der Strukturen das Festhalten an Werten trotz tatsächlicher Veränderungen zu ermöglichen und zu gewährleisten.

In Turin diskutierte diesen Herbst (17.-19. September) an einem Seminar des “International Center of Economic Reserchi”, ICER, ein internationaler Kreis von Fachleuten über das Thema “The legacy of F.A. von Hayek und W. Röpke”. Dabei wurden vor allem die Fragen nach dem aktuellen Stellenwert des Konservatismus und des Röpke zugeschrieben fortschrittskritischen und kulturpessimistischen “Romantizismus” behandelt. Kurz darauf hatte der Schreibende Gelegenheit an einem Seminar der amerikanisch-schweizerisch Progress-Foundation zum Thema Liberalismus und Konservatismus in Soazza (30. September – 2. Oktober) mitzuwirken. Zur Debatte standen Texte von Friedrich August von Hayek, Bertrand de Jouvenel und Wilhelm Röpke. Es zeigte sich in der Diskussion, dass das Thema Konservatismus am Ende dieses Jahrhunderts keineswegs abgeschrieben ist, und dass es nicht nur aus Anlass der 100. Wiederkehr von Geburtstagen traktandiert wird. Die Wertediskussion, die Frage nach dem Stellenwert der Moral, bleibt mindestens so aktuell wie die Frage nach der produklivsten und effizientesten Form des Wirtschaftens. Vor allem bleibt die Herausforderung bestehen, sich weiterhin mit den komplexen Zusammenhängen und Spannungsfeldern zwischen Markt und Moral und zwischen Fortschritt und Tradition zu befassen, für die uns Röpke in mehrfacher Hinsicht sensibilisiert hat. In diesem Sinn bleibt er aktuell.

Literatur:
Von Wilhelm Röpke sind zur Zeit aus den 1979 bei Paul Haupt herausgegebenen Gesammelten Schriften noch folgende Bände lieferbar: Civitas Humana, 5. Aufl.; Gesellschaftskrisis der Gegenwart, 6. Aufl.; Internationale Ordnung heute, 3. Aufl.; Mass und Mitte, 2. Aufl. Lieferbar ist ferner: Das Kulturideal des Liberalismus, Klostermann-Verlag, Frankfurt a.M. 1947

Eine Neuauflage der wichtigsten Werke, insbes. von “Jenseits von Angebot und Nachfrage” wäre erwünscht.

Mit Unterstützung der STAB hat Gerd Habermann unter dem Titel “Das Mass des Menschen” ein Wilhelrn-Röpke-Brevier herausgegeben, das anhand von thematisch gegliederten Zitaten einen guten Einblick in das Gesamtwerk vermittelt. Das Brevier ist 1999 im Ott-Verlag in Thun erschieneq kostet Sfr. 24.80 und eignet sich vorzüglich als Weihnachtsgeschenk.

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