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Zwei Breviere für freiheitliches Denken

Lesedauer: 2 Minuten


(Schweizer Monatshefte – Heft 11, 1999 – Seite 45)

BUCHHINWEIS

  • Gerd Habermann (Herausgeber), Philosophie der Freiheit. Ein Friedrich- August-von-Hayek- Brevier, Ott Verlag, Thun 1999.
  • Gerd Habermann (Herausgeber), Das Mass des Menschlichen. Ein Wilhelm-Röpke- Brevier, Ott Verlag, Thun 1999.

Friedrich August von Hayek und Wilhelm Röpke sind nicht nur Verwandte im liberalen Geist und befreundete (aber nicht durchwegs übereinstimmende) Vertreter der Marktwirtschaft, sondern auch Jahrgänger. Beide hätten 1999 ihren hundertsten Geburtstag feiern können, und für beide sind in diesem Jahr verschiedene Gedenkseminare veranstaltet worden.

Es ist nicht immer einfach, zu beurteilen, worin denn das «ewige Leben» grosser Geister besteht. Sind es die Gesamtausgaben, welche sie zum «Klassiker» werden lassen (und die bei Röpke bedauerlicherweise noch fehlt), sind es die mehr oder weniger zutreffenden Würdigungen in Lehrbüchern und ideengeschichtlichen Lexika, oder sind es die Anregungen, welche ihre Schüler und Rezipienten von Generation zu Generation weitergeben?

Auch die praktischen Folgen, welche ihre direkte oder indirekte Beteiligung an den politischen Entscheidungen ihrer Zeit hatten und immer noch haben, sind ein mögliches Kriterium. Beide Ökonomen haben, in allen diesen Belangen Gewichtiges geleistet und bewirkt. Die Lektüre ihres umfangreichen Werkes ist aber zu einer Angelegenheit für Spezialisten geworden, die auch trefflich über die «richtige Auslegung» der «Meister» diskutieren und um verschiedene Verständnisse und Missverständnisse streiten. Dabei riskieren alle Beteiligten die Entfernung von den Originaltexten und die Verstrickung in einen unfruchtbaren Gelehrtenstreit.

Das wirksamste Mittel gegen solche Historisierung ist der direkte Zugang zu den Originaltexten. Zwei kleine Zitatensammlungen, welche Gerd Habermann herausgegeben hat, erleichtern diesen Zugang auch den Nicht-Fachleuten. Hoffentlich lassen sich möglichst viele Studenten, Unternehmer, Journalisten und vielleicht sogar auch einige Politiker von der Fülle der Gedanken inspirieren oder zum Widerspruch reizen.

Diese «Lektüre für Minuten» wird schnell einmal zum Denkanstoss für Stunden, und sie vermag den einen oder andern auch zum lohnenden Gang zu den Originaltexten anzuregen. Übrigens haben sowohl Hayek als auch Röpke während vieler Jahre wichtige Artikel erstmals in den «Schweizer Monatsheften» veröffentlicht. Einiges davon hat auch in den Zitatensammlungen Spuren hinterlassen. Ist dies das «ewige Leben» einer Zeitschrift? Robert Nef

Schweizer Monatshefte – Heft 11, 1999 – Seite 45

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