Bewahrende Erneuerung der «Schweizer Monatshefte»

(NZZ – POLITISCHE LITERATUR – Montag, 17. Januar 1994 – Nr 13, Seite 16)

C. W. «Erneuern und Bewahren» lautet das Rahmenthema dreier Beiträge in der Januarnummer der «Schweizer Monatshefte» und zugleich der Leitsatz für einen Wechsel in der Gestaltung der Zeitschrift.* Neu sind das Format – A4 statt A5 – und der zweieinhalbspaltige Umbruch mit einer schmalen Kolonne plakatierter Kernsätze (wie wenn jeder Text einfach eine Anhäufung potentieller Zitate wäre). Neu sind die – zurückhaltende – Bebilderung, die Namen der Rubriken und dabei die Bildung eines Themenschwerpunkts im «Dossier», aber auch die Wahl von Formen wie Interview, Essay und Gedicht. In der Redaktion selber tritt Michael Wirth neben Robert Nef, um im Februar Anton Krättli abzulösen. Bewahrt wird ausser der liberalen Grundhaltung die anspruchsvolle Breite der Ausrichtung auf Politik, Wirtschaft und Kultur. Nach wie vor finden sich unter den Aufsätzen auch Vortragstexte, die so dem Leser bewahrt werden.

Die erste Ausgabe des Jahres bringt nach den «Positionen» (Kommentaren) die Ustertagsrede von Bundesrat Arnold Koller, der das politische System der Schweiz unter den Gesichtspunkten der inneren und der äusseren Integrations-, der Innovations- und der Führungsfähigkeit einer konstruktiv-kritischen Prüfung unterzieht. Der Volkswirtschaftsprofessor Jörg Baumberger stellt Reflexionen an über die technisch erleichterte Speicherung «aller» Wort-, Bild- und Tondokumente, die damit noch nicht bewertet, erschlossen und tradiert sind. Der Staat hätte eine solche «Bibliothek von Babel» nicht allzu stark zu fördern. Grundsätzliche Probleme der Denkmalpflege – das Dilemma zwischen Substanzerhaltung und Nutzung, Bewertungsfragen, «Biotopschutz» – werden von Georg Mörsch, Leiter des zuständigen ETH- Instituts, dargelegt.

Wiedergegeben ist sodann eines der letzten Interviews mit Hans Jonas über die Chancen einer um- und nachweltbezogenen Verantwortungsethik («Ich glaube, es können schlimme Zeiten kommen»). Michael Wirth schreibt anhand von Thomas Hürlimanns «Gartenhaus» und Georges Simenons «Le chat» – in beiden Werken spielt die Katze eine postmodern-allegorische Rolle – über Zeitempfinden und Krisenerfahrung. Annemarie Monteil bespricht den zur wichtigen Ausstellung «Equilibre» im Aargauer Kunsthaus erschienenen Aufsatz- und Bilderband, Elise Guignard zwei japanische Romane.


* Schulthess Polygraphischer Verlag, 8022 Zürich. 52 S., Fr. 8.-, Jahresabonnement Fr. 80.-.

Schlagwörter:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.