Erneuern und Bewahren

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(Schweizer Monatshefte – Heft 1, 1994 – Seite 1)

EDITORIAL

«So wechselt das Leben Gestalt und Farbe — und dieser Wechsel, der alle Tage wiederkehrt, bleibt doch wie ein Fremdes dem Menschen, an das er nie Glauben fasst; wohl ein sicheres Zeichen, wie in seiner innersten Natur der Glaube an das Ewige, Unveränderliche lebt, seine innersten Triebe nach dem Ewigen, Unveränderlichen gehen. Da liegt die Torheit, dass er auf Sand sein festes Haus bauen will, dass er im Vergänglichen das Unveränderliche sucht.» Jeremias Gotthelf, Kurt von Koppigen.

Erneuern und Bewahren

Eine Monatszeitschrift hat die Aufgabe, Beiträge zu publizieren, die auch über die Tagesaktualität hinaus von Bedeutung sein können. Unter diesen Texten mag gelegentlich auch der eine oder andere wegen seines Gehalts sogar die Jahre überdauern. Trotzdem tut eine Redaktion gut daran, wenn sie ihre Tätigkeit im allgemeinen dem Vergänglichen zuordnet und Gotthelfs Rat befolgt, «das Unveränderliche nicht im Vergänglichen zu suchen». Wie alle weitsichtigen Konservativen hat Gotthelf gewusst, dass ein beharrliches Festhalten im Bereich des Vergänglichen letztlich das Überdauern im Bereich des Unveränderlichen verunmöglicht. Ein sturer Strukturkonservativismus steht im Widerspruch zu einem beharrlichen Wertkonservativismus.

Die Gründe für einen Wechsel in der äusseren Gestalt der Schweizer Monatshefte sind alles in allem nicht so tiefschürfend. Mit dem Formatwechsel und einer neuen Gliederung und Kennzeichnung der Rubriken soll ein sichtbares Zeichen jener Aufgeschlossenheit und Vitalität gesetzt werden, die es braucht, um neue Leserinnen und Leser (und auch Inserenten und Sponsoren) zu gewinnen, ohne die eine Zeitschrift nicht überleben kann.

Zum Jahres- und Gestaltwechsel sei — in Ergänzung zu Gotthelf – ein Satz aus Fontanes Stechlin als Motto künftiger Tätigkeit in Erinnerung gerufen: «Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.»

ROBERT NEF

Schweizer Monatshefte – Heft 1, 1994 – Seite 1

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