Wehrwille und grüne Kraft

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(ASMZ : Sicherheit Schweiz : Allgemeine schweizerische Armeezeitschrift – Heft 7/8, 1984 – Seite 361)

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Von Daniel Lukas Bäschlin. 137 Seiten. Zytglogge-Verlag, Bern 1983. Fr. 26.-.

Dem Autor geht es um die Verteidigung der heimatlichen Substanz im weitesten Sinn. In seinem Bedrohungsbild stehen nicht potentielle militärische Angreifer im Mittelpunkt, sondern allgemeine «Lebensbedrohungen durch Hunger, Aufrüstung, Erdzerstörung und Gewalttat». Gegen diese Bedrohungen ruft er auf zu einer «Landesverteidigung eigener Art». Der kritische Leser, der sich auch mit sogenannter alternativer und «grüner» Literatur beschäftigt, ist positiv überrascht, dass er bei Bäschlin, der sich zur «grünen Kraft» bekennt, nicht auf die in diesen Gruppierungen häufig anzutreffenden Cliches stösst wie «Alternative zur militärischen Verteidigung», «Kampf gegen den Hunger statt Rüstung» und «Make love not war». Der durch das Buch angesprochene Wehrwille soll den Willen zur militärischen Verteidigung nicht ersetzen. Er ist ihm «vorgelagert». Es geht darum, dass das «eigene Land verteidigenswert und – als Folge davon – dann auch im militärischen Sinn der Wehr wert ist.» (S. 9).

Die Art und Weise, wie der Autor in der Beschreibung von «grünen» und «linken» Feindbildern vorgeht (das Kapital, der militärisch-industrielle Komplex, die Atomlobby, die Agro-Multis und der US-Imperialismus), ist differenziert, abwägend und konstruktiv kritisch, weil das subjektiv Wertende auch offen dargelegt ist. Der Autor leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen gegen alle «grünen Ideen». Es gelingt ihm weitgehend, das primitive Sündenbock-Denken zu überwinden und zu einer persönlichen ökologisch-weltpolitischen Lagebeurteilung zu gelangen, die man mit Gewinn liest, auch wenn und gerade wenn man zum Teil anderer Auffassung ist. Für die Durchbrechung des diagnostizierten Teufelskreises gibt er kein Patentrezept. Er setzt seine Hoffnung auf jenen Wehrwillen, der sich für erderhaltende Urproduktion und menschengerechte, am organischen Lebensprozess orientierte Wirtschaft engagiert, auf jene «grüne Kraft», zu der er auch die Friedensbewegung (welche ?) zählen möchte. Hier ist das Buch, dem man – vor allem auch in alternativen und grünen Kreisen – viele Leser wünscht, zu wenig differenziert. Die Friedensbewegung ist zwar nicht nur, aber auch ein Tummelfeld linker Ideologen und prokommunistischer Kräfte, denen es um einen «Frieden» nach eigener Terminologie geht, der auch den Auffassungen des Autors widersprechen würde. Man darf die Gefahr nicht übersehen, die darin besteht, dass die Mischung von Rot und Grün Braun ergibt – und zwar kein organisch-erdhaftes, sondern ein totalitäres.

Hptm Robert Nef

ASMZ – Heft 7/8, 1984 – Seite 361

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